Franziska
Gräfin zu Reventlow

Geboren: 18.05.1871
in: Husum
Autorin u.a. von: Von Paul zu Petro, Ellen Olestjerne, Herrn Dames Aufzeichnungen, Das gräfliche
Milchgeschäft, Der Selbstmordverein

Franziska Gräfin zu Reventlow wurde am 18.5.1871 in Husum geboren. Ihr unbändiges Temperament, das ihr bereits 1887 die Relegierung aus dem freiadligen Stift in Altenburg einbrachte, führte nach der Übersiedelung nach Lübeck 1889 und dem Abschluss des Lehrerinnenexamens zum völligen Bruch mit der Familie. Die 1894 mit einem Hamburger Assessor geschlossene Ehe währte nur ein Jahr, dann zog die Gräfin zum Malstudium nach München. Nach der Scheidung und der Geburt des vaterlosen Sohnes Rolf 1897, war ihr Leben, das sich fortan in tiefe Mütterlichkeit und maßlose Liebesbesessenheit teile, von ständiger Geldnot bedroht. Sie schrieb kleine Beiträge für den "Simlicissimus", den Roman ihrer Jugend (1905) und schlug sich und ihr Kind mit Übersetzungen durch. In Schwabing, für das sie den bleibenden Namen "Wahnmoching" prägte, fand sie enge Beziehung zu Literaten wie Oskar Panizza, Erich Mühsam, Rainer Maria Rilke und zu den "Enormen der Kosmiker-Runde", Stefan George, Ludwig Klages und Karl Wolfkehl.

1909 übersiedelte die Gräfin nach Ascona und ging auf Mühsams Rat mit dem baltischen Baron Rechenberg-Linten eine Scheinehe ein. Hier entstanden ihre autobiografischen Romane und Erzählungen, die wie ihre Briefe und Tagebücher Schlüsselwerke der großen Jahre Schwabings (1895 -1905) sind.

Am 27.7.1918 starb Franziska Gräfin zu Reventlow in Ascona.

Biographie

Leseprobe aus “Das gräfliche Milchgeschäft”

"...Erich Mühsam nennt sie den 'innerlich freiesten und natürlichsten Menschen, dem ich begegnet bin, gleichmäßig ausgezeichnet von höchstem Charme, gepflegter geistiger Kultur, kritischer Klugheit, anmutigem Humor und vollkommenster Vorurteilslosigkeit' und sagt resümierend von ihr: 'Unter allen reichen Eigenschaften, die Franziska zu Reventlow auszeichneten, dem herrlichen Lebensmut..., der Selbstverständlichkeit, Handeln und Denken nur den Gesetzen des eigenen moralischen Gewissens zu unterwerfen, unbekümmert um Konventionen und gesellschaftliche Vorurteile, der Arbeitsenergie... - unter all diesen Tugenden ruhte der seelische Halt der Frau ganz und gar in ihrer Mutterliebe. Freilich war sie eine viel zu lebenshungrige und künstlerisch bewegte Natur, um sich nicht unbedenklich den Launen ihres sinnlichen Begehrens zu überlassen'..."

Marbacher Magazin Heft 8/1978 (Auszug aus "Ernst Stern Cafe Größenwahn.)